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Im Detail: Google+ Circles für die Kontaktverwaltung

Im Detail: Google+ Circles für die Kontaktverwaltung

Google+ bringt frischen Wind in die Social Media Welt. Der Vorwurf “Google hat social nicht verstanden” ist damit vom Tisch. Über die verschiedenen Bestandteile und erste Eindrücke wurde schon mehr als genug gebloggt. Aber was kann man alles wirklich damit anstellen?

 

Executive Summary:


Circles eignen sich für professionelle Online-Kontaktverwaltung

- Organisation: Google+ Circles ermöglicht die Gruppierung von Kontakten

- Filter: Die Aktivitäten einzelner Circles können getrennt betrachtet werden

- Im Detail: Google+ Circles für die Kontaktverwaltung: Inhalte und Profilbestandteile könne pro Circle freigegeben werden

- Freiheit: Jeder entscheidet selbst, wie die eigenen Circles organisiert sind

- Mögliche Zielgruppen: Power-User, Business- & Privat-Nutzer, vielleicht “wir alle”?

 

 

Circles = “angehübschtes” Tagging von Personen

Das Gruppieren von Kontakten basiert auf dem gleichen Grundprinzip, wie das Taggen von Inhalten. Ich archiviere etwas und vergebe dabei beliebige Schlagworte/Stichworte, um es später (hoffentlich) wieder finden zu können. Leider gibt es keine Gruppierungen innerhalb Gruppierungen, was schnell zu einem Wildwuchs an Tags/Circles führt.

Wie sortiere ich sinnvoll meine Kontakte? Man sollte sich vorher Gedanken zu dieser Taxonomie machen, damit es hinterher nicht neu gemacht werden muss. Es folgen einige Konfigurationsideen für Circles, die sich auch auf jedes andere Tagging übertragen lassen.

 

Anregungen für Circles:

Circles für besonders nahe oder enge Beziehungen

=> z.B. Familie, enge Freunde, VIPs

Circles für Lebensabschnitte oder geschlossene Gruppen

=> z.B. Ehemalige Klassenkameraden, Kollegen im Sportverein, Arbeitskollegen, Stammtische etc.

Circles für die sprachliche Trennung

=> z.B. Deutsch, Englisch, Chinesisch

Circles für Orte und Einzugsgebiete

=> z.B. Hamburg, Köln/Bonn, Shanghai, London, Polen

Circles für Themen, Leidenschaften oder “Lebensbereiche”

=> z.B. Web 2.0, Fun, Katzen, Autos

Circles für Geschäftsbereiche und Berufliches

=> Business, Kunden, Partner, Newsletter-Abonnenten

Circles nach Noise Level (Interessante Aktivitäten/Inhalte im Vergleich zu “belanglosen” Inhalten)

=> Qualitativ, manchmal lesen, selten lesen

Sicherlich benutzt keiner alle Circle Vorschläge, so ist es aber auch nicht gedacht.

 

Die 8 Typen des Social Networker

Schauen wir doch ein wenig in die verschiedenen Use-Cases hinein. Wie werden Social Networks benutzt und was bieten die Google+ Circles konkret?

 

Social Media Enthusiast: Alles mitbekommen & kommentieren

Social Media Enthusiast with bronze sneakers and matching iPhone coverGoogle ließ in weiser Voraussicht genau diese Zielgruppe zuerst hinein. Diese Nutzer bieten die hilfreiche Kombination aus einem großen Social Graph (sprich: Unmengen an virtuellen Freunden), viel zu viel Zeit um mit neuem Social Media Klicki-Bunti herum zu spielen und der Affinität dazu, Feedback zu geben, egal ob man es möchte, oder nicht.

Dem Social Media Enthusiasten wird eine Menge geboten, z.B. die einkörnige Profilfreigabe pro Circle oder das Teilen von Beiträgen/Inhalten an bestimmte Circles oder sogar nur an bestimmte Personen.

 

Separist: Strikte Trennung von Berufs- und Privatleben

The brick wall landscapeAuch wenn der Trend sich zu einer Vermischung von privaten und beruflichen Kontakten (in Teilen) entwickelt, gibt es viele Branchen und auch Persönlichkeiten, die diese Kreise strikt trennen möchten. Der sicherste Weg ist und bleibt die Trennung der Kontakte je nach Plattform, auf der man aktiv ist. Facebook eignet sich (halbwegs) für private und halb-berufliche Kontakte, Xing ist ideal für strenge Datenfreigaben. Nach den zahlreichen Datenlecks und den oft sehr zweifelhaften Entscheidungen von Facebook zur Privatsphäre, vertraue ich diesem Konzern nur sehr ungerne und eingeschränkt meine Daten an. Zwar rangiert Google in meiner Vertrauensskala weit über Facebook, aber immer noch nicht einmal annähernd so hoch wie das deutsche Business Netzwerk Xing. Meine Gesprächspartner und Kontakte aus der Konzernwelt würde ich vermutlich nicht auf Google+ hinzufügen. Sicher ist sicher.

Auch für diesen Fall vereinfacht Google Circles die Kontaktverwaltung und Freigaben. Man kann statt in der schwarz-weiß Welt von Facebook + Xing auch Graustufen einführen, wie z.B. der Kreis für “lockere Business Kontakte” oder den “erweiterten Freundeskreis”, der ohnehin wenig private Inhalte sieht.

 

Seeder: Aufteilung in Zielgruppen für präzises Social Media Marketing

Colourful schades of a faceFür Seeder und Social Media Marketeers muss man das Plus hinter Google besonders groß schreiben. Die Möglichkeiten des Teilens haben sich exponentiell erweitert. Endlich steht nicht mehr die breite Streuung wie z.B. bei Twitter im Vordergrund. Stattdessen können präzise Interessengruppen angelegt werden, vielleicht sogar Follow-Up-Kreise, in denen die wichtigsten Vertreter eines Kreises nochmals einsortiert sind, um den einen oder anderen Follow-Up/Reminder zu übermitteln. Dadurch währen sogar Content Pipelines aus dem Content Marketing möglich, bei denen die Zielgruppe durch aufeinander aufbauende Themen geführt wird.

Blogger und Content-Produzenten sollten sich Google+ ebenfalls genau anschauen. Die Mühe und Liebe, die in vielen Fachblogs steckt, geht leider oft im generellen Noise Level von Social Media unter. Leider neigen auch viele inhaltlich spannende Blogger dazu, sich kaum Gedanken über den Aufbau der eigenen Leserschaft zu machen. Google+ vereinfacht dies nicht nur durch die flexible Gestaltung von verschiedensten Circles, auch der große Stream aus Inhalten (auf der Startseite) begünstigt guten Content: neue Kommentare und +1 Bewertungen führen dazu, dass alte Inhalte erneut durch den Stream laufen können.

Andersherum betrachtet liegt hier einer der größten Gefahren für Google+: Das Spammen ist derzeit viel zu einfach, fast schon automatisiert. Auch eine vernünftige Filterung des Streams ist schwer. Es fehlen (noch) Möglichkeiten, größere Mengen an unliebsame Mitteilungen zu entfernen.

 

Verschwiegene: Militanter Privatsphäre-Nerd

Hiding Cat by http://www.flickr.com/photos/howchengGoogle+ positioniert sich gegenüber Facebook sehr anders. Zwar gab es dort Listen, aber welches Feld jetzt genau wie gesteuert werden konnte, ändert sich oft. Bei mir führte dies dazu, dass einige streng kontrollierte Kontaktwege wochenlang offen lagen, weil die Freigabe für dieses Feld plötzlich anders “zu vergeben war” und die neue Standard-Einstellung “offen” war.

Google hat eine realistische Chance, auch die leider völlig unterschätzen Massen an bewussten Facebook-Verweigerern für sich zu gewinnen. In meinem engeren Freundeskreis alleine haben sich drei Privatsphäre-Nerds durch Google+ zu Social Networking bekennen lassen. Kern der Beweggründe: “Facebook spezialisiert sich auf die Kommunikation von mir zu vielen anderen. Google+ vernetzt Kontaktkreise an ihren Schnittstellen!”

Aber auch Google+ macht nicht alles richtig. Die Datenfreigaben sind z.B. nicht so feinkörnig wie bei Xing. Es stellt sich aber auch die Frage, ob man das möchte und ob es nicht für einen Großteil der Nutzer unnötig kompliziert wäre. Facebook hat außerdem im Bereich Kontaktverwaltung einen immensen Vorteil: Man kann nicht nur positive Freundeslisten erstellen, die eine Erlaubnis erteilen, bestimmte Inhalte abzurufen. Es gibt auch negative Listen, die den Mitgliedern den Blick auf einen bestimmten Inhalt grundsätzlich verwehren. Dies machte die Verwaltung für Privatsphäre-Bewusste sehr flexibel. Hoffentlich liefert Google dies nach!

 

Zuhörer & Sammler: Alles mitbekommen, nichts verpassen

Earphones by http://www.flickr.com/photos/clfNicht ohne Grund hat Twitter ein immenses Medieninteresse entfacht. Twitter hat die Nachrichtenlaufzeiten rund um den Globus radikal verkürzt, den Zugriff auf ultra-lokale sowie sehr zeitkritische Inhalte wesentlich vereinfacht und das Zitat im Web wiederbelebt.

Auch Google+ stößt in diese Richtung. Durch die teilweise öffentlichen Google Profiles kann man interessante Persönlichkeiten ganz einfach finden und nach Wichtigkeit, Thema oder anderen Kriterien abonnieren. Dafür sortiert man die Personen einfach in verschiedene Circles und klickt sich durch. Dies erinnert mich an meine frühere RSS-Feedreader Konfiguration, bei der ich alle Blogs & Nachrichtenquellen in “daily read”, “weekly read” und “monthly read” sowie “sometimes, if bored” sortiert habe.

 

Kosmopolit & Business Traveller: Alles muss lokal aufgeteilt sein

Old Clock by http://www.flickr.com/photos/mao_liniIch bin selbst viel unterwegs. Oft habe ich unvorhergesehene Zeitfenster von ein bis drei Stunden, die ich einer mir oft fremden Stadt “totschlagen” muss. Da schafft eine gut sortierte Kontaktliste Abhilfe. Ich schaue mich dann einfach schnell um, wer in Stuttgart lebt und veröffentliche einen Inhalt, den nur diese Personen sehen können. Folglich habe ich z.B. in Xing Kategorien/Tags für die meisten großen Städte in Deutschland.

Anders herum will man auch mit dem verstreuten Freundeskreis in Kontakt bleiben. Mehrere Freunde und Bekannte leben z.B. in Shanghai. Folglich werden alle diese Personen in einem Kreis oder einer Liste gesammelt, damit man auf einen Blick sehen kann, was die Leute in Shanghai gerade anstellen. Diese Anforderungen erfüllen Google+ sowie Facebook ähnlich gut.

 

Normalsterbliche: Ein paar Kontakte zum Chatten und Lachen

Texting while driving by http://www.flickr.com/photos/indyplanetsMit dieser Zielgruppe steht und fällt Google+. Facebook ist auf dem schnellsten Wege, “das Telefonbuch der Welt” zu werden. Und darauf baut Mark Zuckerberg ein eigenes Internet auf, in dem es Spiele, Videochats und einige (wenige) sinnvolle Anwendungen gibt. Das richtige Verkaufsargument liegt hier im Network Lock-In Effekt. Anders formuliert: “Alle meine Freunde sind bei Facebook, wozu brauche ich Google+?”. Der große Blogger Robert Scoble prognostiziert bereits, dass Google+ nichts für deine Eltern ist.

Derzeit bietet Google+ viele Dinge nicht an, die für viele Normalo-Facebook-Nutzer essenziell ist. Dazu gehören z.B. das nervige Farmville, zahlreiche Geschenke-Apps und Mafiawars. Genau dies ist aber einer der Hauptgründe, wieso die Social Media Enthusiasten Google+ mögen. Man könnte denken, dass die beiden Zielgruppen sich gegenüber stehen. Hier kommt es also darauf an, wie Google es schafft, die versprochene API und den Einfluss von Drittapplikationen steuerbar zu machen.

Für die Durchschnittsanwender sind Circles eher weniger spannend, da sie (wenn überhaupt) höchstens zwei oder drei anlegen werden. Außerdem sollte man daran zweifeln, dass der Bedarf an einer feingranulierter Kontaktverwaltung in der breiten Bevölkerung existiert. Dafür bietet Google+ aber spannende und einfache Funktionen wie z.B. den Video-Gruppen-Chat Huddle und eine unglaublich schöne Oberfläche an.

 

Senioren: Kinder, alte Schulkollegen, vielleicht ein neuer Partner

Old phone by http://www.flickr.com/photos/adulauUnsere Silversurfer sind einer der stark wachsenden Benutzergruppen bei Facebook. Das breit angelegte Social Networking kommt langsam an, auch Senioren-Communitys haben regen zulauf. Circles sind aber auch für diese Zielgruppe weniger spannend, da meistens nur ein geringer Teil der reellen Kontakte überhaupt in Social Networks aktiv ist und es meistens um eins zu eins Kontakte geht und weniger um Kreise von Menschen, die sich untereinander kennen. Darüber hinaus ist trotz der einfachen und schön zu bedienenden Oberfläche eine Menge Verständnis hinter dieser Funktionalität gefragt.

 

Meine angestrebte Circle-Konfiguration sieht übrigens wie folgt aus:

 

contacts (Sammelbecken für alle)

co-workers (Kollegen beim Community-Baukasten mixxt.com)

family

friends (engere Bekannte und Freunde)

VIP (nur engste Freunde)

de web2.0 (deutschsprachige Blogger & Social Media Enthusiasts)
int web2.0 (englischsprachige Blogger & Social Media Enthusiasts)

de business (deutschsprachige Kunden & Partner)
uk business (Kunden & Partner aus dem Vereinigten Königreich)
pl business (Kunden & Partner aus Polen)
cn business (Kunden & Partner aus China)

local.bonn (lokale Kontakte im Raum …)
local.cologne (lokale Kontakte im Raum …)
local.hamburg (lokale Kontakte im Raum …)
local.london (lokale Kontakte im Raum …)
local.shanghai (lokale Kontakte im Raum …)

 

Wie organisieren Sie Ihre Kontakte in und außerhalb Google+ Circles?

 

Weiterführende Lektüre:

Spannende Einschätzung mit guten Vergleichen zu Facebook und Twitter:
Google+: Erfahrungsbericht und Einschätzung

Ebenfalls interessante Einschätzung, mit Bezug auf traditionelle Mediendenker:
Google+ und meine ersten Gedanken dazu

Die T3N hat interessante & versteckte Funktionen hervorgehoben:
Google+: Die spannendsten versteckten Features

Jan Tißler (ebenfalls T3N) schrieb einen langen und guten Beitrag:
10 Gründe, warum Google+ gegen Facebook gewinnt

Carsten Knobloch zeigt viele Screenshots und beschreibt die Funktionen ausführlich:
Inside Google+ – Infos zu Google+

Etwas vorsichtiger geht Martin Weigert ran:
Technisch beeindruckend, aber komplex

Internationaler Blickwinkel:
Google+: A targeted response to Facebook’s shotgun approach

 

Zahlreiche Blogger haben ebenfalls Ihre positiven Eindrücke geschildert:
Spreeblick: Erste Eindrücke und Tipps: Google+
Thomas Promny: Google+ – endlich eine sinnvolle Facebook-Alternative
Jürgen Vielmeier von BasicThinking: Google Plus ausprobiert: Kein Facebook-Killer, aber auch kein zweites Wave

 

Photo credits:
(In Reihenfolge der Erscheinung)

http://www.flickr.com/photos/goincase/3327047072/sizes/l/in/photostream
http://www.flickr.com/photos/mahidoodi/179603158/sizes/l/in/photostream
http://www.flickr.com/photos/waisian/3652438679/sizes/o/in/photostream
http://www.flickr.com/photos/howcheng/100147721/sizes/z/in/photostream
http://www.flickr.com/photos/clf/2943216931/sizes/o/in/photostream
http://www.flickr.com/photos/mao_lini/3053649344/sizes/l/in/photostream
http://www.flickr.com/photos/indyplanets/3926147797/sizes/o/in/photostream
http://www.flickr.com/photos/adulau/2044441912/sizes/l/in/photostream

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